Ab ins Wasser!


Direkt zu den Karten

“Pack die Badehose ein…”, Handtuch nicht vergessen und los geht’s. Vielleicht steht ein Schwimmkurs an, ein paar Bahnen nach Feierabend oder ein Nachmittag mit Freunden und Familie. Schwimmbäder sind Sportstätten, Treffpunkte und Ausflugsziele zugleich.

Ob es tatsächlich ein unbeschwerter Tag wird, entscheidet sich nicht erst am Beckenrand. Denn auch der Weg dorthin gehört zum Badeleben.

Auf Basis der Daten des Projekts Bäderleben haben wir deshalb untersucht, wie gut Schwimmbäder in Deutschland mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Dafür haben wir den Datensatz von Bäderleben gefiltert in mobi.mapr analysiert und verschiedene Verkehrsmittelkombinationen miteinander verglichen.

Ein Ziel, drei verschiedene Reichweiten

Eine Karte mit Schwimmbadstandorten beantwortet zunächst nur eine Frage: Wo gibt es überhaupt das kühle Nass?

Für den Alltag sind jedoch andere Fragen entscheidend. Wie viele Minuten dauert der Weg? Welche Verkehrsmittel können genutzt werden? Und wie groß ist die Auswahl innerhalb einer realistischen Reisezeit?

mobi.mapr übersetzt die Standorte deshalb in konkrete Erreichbarkeit. Besonders deutlich wird das, wenn wir nacheinander verschiedene Wege zum Wasser betrachten.

Erste Bahn: ein Spaziergang zum Schwimmbad

Zu Fuß beginnt die Analyse im direkten Wohnumfeld.

Bundesweit leben rund 9,6 Millionen Menschen in Bereichen, von denen aus ein Schwimmbad innerhalb von 15 Minuten ausschließlich zu Fuß erreichbar ist. Das entspricht etwa 12 Prozent der Bevölkerung. Bei einem Fußweg von bis zu 30 Minuten steigt der Anteil auf 39 Prozent.

Auf der Karte entstehen viele einzelne Orte rundum gut gelegene Schwimmbäder. Sie zeigen, wo sich der Besuch eines Schwimmbads gut realisieren lässt, da der Weg zum kühlen Nass besonders kurz ist.

Der Fußweg bildet die Basis. Anschließend nehmen wir weitere Verkehrsmittel hinzu und beobachten, wie sich der erreichbare Raum vergrößert.

Je dunkler die Flächen auf der Karte sind, umso besser sind sie angebunden. Ungefärbte Bereiche zeigen Regionen ohne Wohnbevölkerung.

Zweite Bahn: die Haltestelle als Sprungbrett

Mit Bus und Bahn gelangen deutlich mehr Schwimmbäder in Reichweite.

Innerhalb von 15 Minuten erreichen rund 18,1 Millionen Menschen ein Bad zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr. Das entspricht 22 Prozent der Bevölkerung und damit fast doppelt so vielen Menschen wie zu Fuß allein.

Bei einer Reisezeit von bis zu 30 Minuten steigt der Anteil auf 67 Prozent. Rund 55 Millionen Menschen können ein Schwimmbad dann mit einer Kombination aus Fußweg und öffentlichem Nahverkehr erreichen.

Für Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und alle, die ohne eigenes Auto unterwegs sein möchten, kann eine passende Verbindung den Schwimmbadbesuch besonders einfach machen. Haltestellen, Linienführung und Taktung werden damit zu einem wichtigen Teil der Freizeitinfrastruktur.

Die Karte macht sichtbar, wo diese Verknüpfung bereits gut funktioniert und wo neue oder verbesserte Verbindungen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen könnten.

Am Anfang siehst du die gleiche Karte wie oben, aggregiert auf die Gemeinde-Ebene. Dort, wo die Karte dunkler wird, wird die Anbindung an Schwimmbäder mit dem ÖPNV besser.

Dritte Bahn: mit dem Fahrrad über Gemeindegrenzen

Den größten Sprung sehen wir beim Fahrrad.

Innerhalb von 15 Minuten können rund 41,4 Millionen Menschen ein Schwimmbad zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Das entspricht etwa 50 Prozent der Bevölkerung. Bei einer Reisezeit von bis zu 30 Minuten wächst der Anteil auf 83 Prozent.

Auch auf Ebene der Gemeinden ist die Veränderung bemerkenswert. Zu Fuß liegt in rund 10 Prozent der Gemeinden die durchschnittliche Reisezeit bei unter 30 Minuten. Mit dem Fahrrad gilt das bereits für 51 Prozent der Gemeinden.

Auf der Karte werden aus einzelnen Bereichen größere zusammenhängende Räume. Das Fahrrad erschließt Schwimmbäder innerhalb der eigenen Gemeinde und verbindet sie zugleich mit Nachbarorten.

Dadurch entsteht ein regionales Angebot. Nicht jede Gemeinde benötigt ein eigenes Bad, wenn bestehende Schwimmbäder über sichere und direkte Radwege gut erreichbar sind. So können Schwimmbäder auch über Gemeindegrenzen hinweg gut erreicht werden. Die Qualität dieser Verbindungen entscheidet also direkt mit darüber, wie viele Menschen das vorhandene Angebot nutzen können.

Zu Beginn sieht man die Karte aus dem oberen Video: die Erreichbarkeit zu Fuß und mit dem ÖPNV. Anschließend kommt der Radverkehr hinzu.

Kleine Orte schwimmen ganz vorne mit

Die bestbewerteten Gemeinden sorgen für eine Überraschung. Denn große Städte belegen nicht automatisch die vorderen Plätze.

Unter den Gemeinden mit einer Bewertung von A+ finden sich beispielsweise Steineberg, Maroth, Leinzell, Küllstedt, Wiesenthal, Dachwig, Mesenich, Epfenbach, Ellenz-Poltersdorf, Ludwigswinkel und Aura an der Saale.

Viele dieser Orte sind eher ländlich oder suburban geprägt. Ihre Platzierungen zeigen, dass gute Erreichbarkeit keine Frage der Stadtgröße ist.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Standort und Weg. Ein günstig gelegenes Schwimmbad kann auch in einer kleinen Gemeinde für viele Menschen schnell erreichbar sein. In größeren Städten wiederum zeigt mobi.mapr, welche Stadtteile besonders gut angebunden sind und wo neue Verbindungen die Auswahl vergrößern könnten.

An der Küste sieht Badeleben anders aus

Die Deutschlandkarte erzählt gezielt die Geschichte der Schwimmbäder. Sie bildet jedoch nicht jede Möglichkeit ab, ins Wasser zu gehen.

Strände, Badeseen und andere natürliche Badegewässer gehören nicht zum untersuchten Datensatz. Gerade an Nord- und Ostsee sowie in seenreichen Regionen wird das Badeleben deshalb durch viele weitere Angebote ergänzt.

Das ist keine Nebensache, sondern eine wichtige inhaltliche Abgrenzung. Ein Strand oder See kann ein wunderbares Ausflugsziel sein. Schwimmbäder übernehmen darüber hinaus besondere Aufgaben. Sie schaffen Raum für Schwimmunterricht, Vereinstraining, wetterunabhängige Bewegung und barrierearme Angebote.

Je nach Region setzt sich das Badeleben somit unterschiedlich zusammen. Die vorliegende Analyse richtet den Blick bewusst auf den Beitrag, den Schwimmbäder leisten.

Vom Freizeitspaß zur Planungsfrage

Schwimmbäder gehören zur sozialen Infrastruktur. Hier lernen Kinder schwimmen, Vereine trainieren, Familien verbringen Zeit miteinander und Menschen jeden Alters finden ein Bewegungsangebot.

Die Karten zeigen, dass ein Schwimmbad seine Wirkung weit über den eigenen Standort hinaus entfalten kann. Dafür braucht es jedoch Wege, die das Bad mit Wohnorten und Nachbargemeinden verbinden.

Für Kommunen und Entscheidungstragende entstehen daraus konkrete Ansatzpunkte. Wo kann ein sicherer Radweg den erreichbaren Raum vergrößern? Welche Haltestelle verbindet den Wohnort mit welchem Bad? Und zu welchen Zeiten sollte der öffentliche Nahverkehr fahren, damit Schwimmkurse, Vereinstraining und Familienausflüge stattfinden können?

mobi.mapr macht diese Zusammenhänge mit Minuten als Maßeinheit sichtbar. Aus einem Standort auf der Karte wird dadurch eine konkrete Aussage darüber, welche Mobilitätsqualität Menschen in ihrem Alltag haben.

Wir schnappen uns jetzt die Handtücher und ziehen ein paar Bahnen – und lesen uns wieder im nächsten Blogbeitrag!


Hinweis: Alle Informationen zu den Schwimmbädern kommen von dem famosen Projekt „Bäderleben“. Wir haben dabei alle öffentlichen Freizeitbäder, wie z. B. Hallenbäder oder Badeseen, betrachtet. Bäder, die exklusiv für Schulen, Altenheime, Vereine, Klinikbäder etc., sind nicht in die Bewertung eingeflossen.

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