
Sommer, lange Abende und Lust auf eine Kugel Eis. Nachdem die Temperaturen zuletzt vielerorts deutlich über 30 Grad lagen, ist es inzwischen wieder etwas angenehmer geworden. Und plötzlich erscheint auch der Weg zur Eisdiele in einem anderen Licht: Bei moderaten Temperaturen darf es gerne ein längerer, schöner Spaziergang sein – vielleicht sogar bis zu 30 Minuten. Nicht, weil der Weg unbedingt kurz sein muss, sondern weil bereits der Weg zum Eis Freude macht.
Wie gut kommt Deutschland eigentlich zum Eis?
Also haben wir unsere Eisdielen-Suche auf ganz Deutschland ausgeweitet. Wo ist der Weg zum Eis besonders kurz? Wo gibt es besonders viel Auswahl? Und welche Regionen fallen auf der Karte auf?
Unsere naheliegende Vermutung: In den großen Städten dürfte die Versorgung mit Eis besonders gut sein. Viele Menschen leben auf engem Raum, entsprechend groß ist die Nachfrage. Und vielleicht hat auch der Süden Deutschlands beim Eis die Nase vorn? Schließlich wird es hier im Sommer besonders warm.
Um das genauer zu untersuchen, haben wir mobi.mapr geöffnet und nachgeschaut.
Mehr Sonne, mehr Eis? Von wegen.
Schauen wir zunächst auf das Angebot.
In absoluten Zahlen liegt Nordrhein-Westfalen vorne: 1.198 Eisdielen sind dort in OpenStreetMap verzeichnet. Es folgen Bayern mit 865 und Baden-Württemberg mit 693.
Berücksichtigen wir allerdings die Anzahl der Einwohner:innen, verändert sich das Bild deutlich. Dann liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 1,21 Eisdielen je 10.000 Einwohner:innen an der Spitze – und das trotz seiner niedrigen Bevölkerungsdichte. Dahinter folgen Bremen, Berlin und Schleswig-Holstein. Rechnet man beispielsweise die drei Eisdielen im Kurort Rathen von seinen nur 333 auf vergleichbare 10.000 Einwohner:innen hoch, ergibt sich ein Wert von rund 90 Eisdielen pro 10.000 Einwohner.
Obwohl die Gemeinde nur eine Handvoll Eisdielen hat, führt ihre geringe Bevölkerungszahl zu einem bemerkenswert hohen Pro-Kopf-Wert.
Unsere Vermutung vom eisverwöhnten Süden bestätigt sich also zunächst nicht. Vielleicht spielen touristisch geprägte Orte, die Ostseeküste und die vielen Ferienregionen eine Rolle. Eine interessante Spur für eine eigene Analyse.
Denn eigentlich wollen wir etwas anderes wissen: Wie gut sind diese Eisdielen für Menschen erreichbar?
Also wechseln wir die Perspektive und schauen mit mobi.mapr genauer hin.
Zu Fuß oder lieber mit dem Fahrrad?
Aber was nutzt die Statistik, wenn es ums Eis geht? Schauen wir auf die Menschen und ihre Wege: Welche Eisdielen sind wie gut erreichbar?
Dabei betrachten wir nicht nur die nächste Eisdiele. mobi.mapr bezieht mehrere erreichbare Optionen in die Bewertung ein. Denn für die Mobilitätsqualität macht es einen Unterschied, ob innerhalb einer bestimmten Zeit nur ein Ziel oder mehrere Alternativen erreichbar sind.
Wie viele Eisdielen in Reichweite liegen, hängt dabei auch davon ab, wie wir unterwegs sind und wie viel Zeit wir investieren möchten.
Bei angenehmeren Temperaturen kann ein Spaziergang von bis zu 30 Minuten durchaus Teil des Erlebnisses sein. Der Weg führt vielleicht durch den Park, entlang einer Promenade oder durch das Stadtviertel und endet mit einer Kugel Eis. Zu Fuß bleibt der erreichbare Radius zwar vergleichsweise überschaubar, doch gerade bei moderatem Sommerwetter kann das ein Vorteil sein.
Mit dem Fahrrad erweitert sich dieser Radius deutlich. Innerhalb von 30 Minuten lassen sich wesentlich mehr Eisdielen erreichen und damit wächst auch die Auswahl.
Wenn es richtig heiß wird: kurze Wege entlang des Rheins
Dichtekarten zeigen, wo sich viele Eisdielen befinden. Diese statistische Verteilung bleibt jedoch zunächst abstrakt. mobi.mapr macht daraus eine konkrete Alltagsperspektive: Wie viele Minuten brauche ich tatsächlich bis zum Eis und welche Auswahl kann ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen?
Auf der Karte zeichnet sich eine Art Eisachse entlang des Rheins ab. Von Basel über Karlsruhe und Mannheim bis nach Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg finden sich zahlreiche Bereiche mit kurzen Wegen zur nächsten Eisdiele.
An einem angenehmen Sommertag darf der Weg gerne etwas länger sein. Mit dem Fahrrad erweitert sich die Auswahl zusätzlich und reicht vielerorts über die Grenzen einzelner Kommunen hinaus. Der Rhein und andere Flüsse bieten damit besonders schöne Gelegenheiten, Bewegung, Landschaft und eine Kugel Eis miteinander zu verbinden.

Wie stark sich das Verkehrsmittel auf die Erreichbarkeit auswirkt, zeigt das folgende Video der Metropolregion Rhein-Neckar. Zunächst ist zu sehen, welche Bereiche zu Fuß wie schnell erreichbar sind. Anschließend kommt das Fahrrad hinzu. Grün markierte Bereiche liegen sogar innerhalb von 15 Minuten.
Interessant ist auch der Blick auf Regionen, in denen es für den Weg zum Eis gar nicht unbedingt ein Fahrrad braucht. Auf den Nord- und Ostseeinseln sowie in vielen Kur- und Ferienorten sind Eisdielen bereits zu Fuß gut erreichbar.
Das Muster ist beispielsweise auf Inseln und in Küstenorten wie Borkum, Norderney und Sylt an der Nordsee sowie rund um Kühlungsborn, Binz und die Ostseebäder auf Usedom zu erkennen. Auch traditionsreiche Kur- und Ausflugsorte im Binnenland, etwa Baden-Baden und verschiedene Kurorte am Alpenrand, passen in dieses Bild. Wo viele Gäste zu Fuß unterwegs sind und Gastronomie, Promenaden und Freizeiteinrichtungen räumlich gebündelt liegen, ist häufig auch der Weg zum Eis kurz.
Wer weiterforschen möchte, kann in mobi.mapr auch andere Verkehrsmittel auswählen und vergleichen, wie sich die Erreichbarkeit verändert.
Am Ende geht es gar nicht ums Eis
Natürlich lässt sich die Mobilitätsqualität einer Region nicht an ihren Eisdielen festmachen. Aber unser kleines Experiment zeigt ziemlich gut, warum es sich lohnt, Erreichbarkeiten zu betrachten.
Denn entscheidend ist nicht allein, welche Angebote theoretisch vorhanden sind, sondern was davon für Menschen praktisch erreichbar ist. Und welche Erreichbarkeit gut ist, hängt auch von den Bedingungen ab. An einem angenehmen Sommerabend können 30 Minuten Fußweg Teil des Vergnügens sein. An einem extrem heißen Tag entscheiden dagegen kurze, möglichst angenehme Wege darüber, ob ein Ziel überhaupt erreichbar erscheint.
Das gilt für Eisdielen genauso wie für Supermärkte, Schulen und Arztpraxen, Schwimmbäder, Parks oder Restaurants. Denn Mobilität ist kein Selbstzweck. Sie ermöglicht uns, die Aktivitäten zu erreichen, die unseren Alltag ausmachen.
Manchmal braucht es nur eine Kugel Eis, um das sichtbar zu machen.
Die Karte über Eisdielen findest du interaktiv, wenn du hier klickst!
Alle Analysen findest du auch immer in unserem Blog!
